|
|
|
Einzige Tatsache, die letztendlich aufhorchen ließ, war der
Umstand, dass sich ein doch sehr renommierter amerikanischer Musik -
Produzent dieser Großstadt Casanovas angenommen hatte und anscheinend
noch viel vor hatte mit ihnen. John (Anm.: Nachname will ich an dieser
Stelle lieber keinen nennen) war einer dieser obercoolen Amis, die stets
aus dem Ei gepellt aussahen, aber trotzdem diesen leichten Touch des
lasziven Lässigkeit hervor kehrten. Cool, ja das war die richtige
Beschreibung inklusive dem obligatorischen Kaugummi, den wohl jeder Ami
irgendwo zwischen Eck- und Backenzahn kleben hatte. – Er sagte nicht
viel, interessierte sich eher für irgendwelche nichtssagenden
Aktenordner oder diverse golden Schallplatten, die da eingerahmt an den
Wänden herum hingen. – Von mir nahm er schon erst gar nicht Notiz.
Ein flüchtiges „Hi, how are you“ – war so ziemlich das Einzige,
das ich höflichkeitshalber zu hören bekam. –
– Okay:
„How did you start out?“ – und – „what got you into this kinda
music?“ oder „how did you get recognised“ – die üblichen
Routinefragen an eine Gruppe, von der man bis dato nichts gehört hatte
und obendrein vergessen hatte sich das Info durchzulesen, geschweige
denn, sich die Platte angehört hatte. – Und über allem – wer weiß,
ob mir das Ding überhaupt jemand abnehmen würde. – Diplomatie hieß
und heißt auch heute noch das Zauberwort. – Man muss als Journalist
auch mal die kleinen unbedeutenden Interviews annehmen, damit man beim
nächsten
Mal auch wieder die großen Stars vors Mikro bekam. Würde man sich nur die Rosinen
heraus picken, dann wär der Ofen bald aus. – Und klar doch
versuchte ich auch eben diese neuen Emporkömmlinge in irgendeiner Form
in diversen Printmedien unterzubringen. Manchmal gelang es, manchmal auch nicht,
und das Ganze geriet schnell wieder in Vergessenheit. So auch diese
Band, von der ich später übrigens nie wieder etwas gehört habe. –
Aber die Ereignisse die auf dieses Interview folgten, haben sich für
immer und ewig in meinem Gedächtnis vergraben. – „Alright, thank
you Boys, it was nice talking to you“ – die übliche Leier mit einem
freundlichen Shake Hands – und ab die Post....
Die Limousine war jedenfalls sehr geräumig, genauer gesagt, so groß, dass wir neben bereits fünf anderen Lichtgestalten spielend und das auch noch äußerst bequem, Platz fanden. Eigenartige Vögel waren das schon hier. Drei von ihnen, super sexy gestylt, mit einem Busen, dass sogar Dolly Buster vor Neid erblassen würde, in Lack und Leder gekleidet, chauvinistisch angehaucht mit diesem extremen Hauch der Extravaganza. Zumindest schienen es alles Engländer und Engländerinnen zu sein, und wir fühlten uns sicher in der Annahme, dass uns keiner verstehen könne in unserem Gespräch. Eine weitere Limousine hielt an. Ich erkannte die beiden Typen von der Band, ich glaube Mike und Steve hießen sie, die ebenfalls mit mindestens noch mal fünf weiteren Paradiesvögeln das andere Gefährt bestiegen. – Und ab ging die Post. Während der Fahrt konnte ich mir nicht umhin, mir unsere Kolleginnen im Taxi näher anzusehen. Blonde Mähnen, Haare, wie ich sie mir nur im Traum erhoffen könnte, Figuren, die ich in 100 Jahren beinhartem Trainings nicht erzielen würde... einfach klasse – perfekt. – Jawohl – perfekt, das war der richtige Ausdruck.... Da war einfach alles -zu- perfekt. Und irgendetwas störte uns an diesen Jetset Beauties. Während der einen Stunde Fahrt, bei der wir nicht den blassesten Schimmer hatten, wo es überhaupt hin ging, zerbrachen wir uns den Kopf, was es denn war, das uns so fehl stimulierte.„Nutten“ – rief Claudia. „Ja klar, das sind Nutten.“ Oder doch nicht? – Nein, da war doch noch Mike und Steve von der Band und.... ja wo war eigentlich John, der Produzent, der Gastgeber für diese, doch recht seltsame Einladung? – Wir sollten es bald erfahren.
Maidenhead. – Nun, - Maidenhead ist eine Stadt westlich von London, die eigentlich keine Stadt, sondern eher ein Kaff ist, irgendwo in der Pampa in der Grafschaft Surrey. Und ausgerechnet in Maidenhead nannte dieser Produzent eine Villa sein eigen. Diese wiederum befand sich allerdings nicht im Ort selbst, sondern eher an den äußersten Gebietsgrenzen gelegen in einem Waldstück. Auf gut deutsch – dort wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. –
Aber feudal war
sie die Villa – alle Achtung. Riesengroß und halbkreisförmig
angelegt inklusive Indoor Swimmingpool. Im Garten befand sich obendrein
ein Tennisplatz, sowie eine Minigolfanlage. Nobel geht die Welt zugrunde
dachten wir, bestaunten weiter die feudalen Örtlichkeiten und ließen
uns vom Hausherrn selbst, der uns hier mit breitem Grinsen in Empfang
genommen hatte , mit einem Cocktail – Marke Eigenkreation verwöhnen. – Wauw,
- das durfte doch alles nicht koscha sein. Das war mal ganz etwas anderes
als die herkömmlichen Aftershow Meets and Greets, meist in abgefuckten
Backstage Bereichen diverser Londoner Venues, und ab und an auch mal in
namhafteren Bars der Stadt. -
Wir genossen die Pracht, ließen uns den alkoholsatten Saft schmecken und lauschten der Klänge von Elvis und den Rolling Stones. „Dallas
und der Denver Clan, - ha ha, das war’s.... Ball der Ölbarone“ –
rief ich Hans zu, der als Chauffeur keineswegs benachteiligt wurde,
sondern nunmehr, nachdem er alle Gäste sicher an ihr Ziel gebracht
hatte, selbst die Annehmlichkeiten der Örtlichkeit genießen durfte.
– John schlug mit dem Löffel gegen ein Glas um ein Stillschweigen zu
erbitten, hielt eine kleine Ansprache in Bezug auf die Band, um dann
eine hoffentlich anregende und wohltuende Nacht in seinem bescheidenen
Haus zu wünschen. – Mensch, waren wir naiv. Wir ahnten noch immer
nicht, was da auf uns zukommen würde. Und die Erkenntnis, dass
irgendwas mit all den Zaungästen nicht stimmte, die hatten wir schon längst
wieder vergessen.
Sie hielt eine leere Champagnerflasche in der Hand, die sie horizontal auf den Teppich legte und wie einen Kreisel rund um bewegte. Und der- oder diejenige, auf den der Flaschenhals bei Stillstand letztendlich zeigte, machte sich daran, sich das Ding in eine seiner unteren Körperöffnungen, meist war es die hintere, zu stecken und sich hörbarer Selbstbefriedigung hinzugeben. Das hatten wir in unserem einfachen, und doch eher unbedarften Daseins nun doch noch nicht so erlebt. Und dank dieser Tatsache zu Salzsäulen erstarrt und fasziniert von dem Geschehen, hingen wir zwischen Tür und Angel und warteten einfach darauf was wohl als nächstes geschehen würde. Die Starre wurde noch etwas steifer, als ich eine Hand auf meiner Schulter registrierte, die sich aber – Gott sei Dank als die von Hans entpuppte. „Mädchen“, meinte er, „warum glaubst Du wohl, bevorzugen die alle in den Arsch gefickt zu werden“?
Wo waren denn eigentlich unsere Superstars, wegen derer diese Orgie überhaupt
veranstaltet worden war? – Aber erstmal ab in den ersten Stock. Wir
wollten ein Zimmer finden, dass wir von innen verschließen konnten, und
um dann zu versuchen ein paar Stunden Schlaf zu nachzuholen. Wie gesagt,
weg konnten wir hier ohne Auto ohnehin nicht. Und unten in der Höhle des Löwen
wollten wir auch nicht verweilen. – Ich meine, ich habe wirklich auch
gern hin und wieder guten Sex, aber das hier... – nein danke. Das war
doch etwas zu heavy. Erste Tür – auf.... ach Du lieber Schwan. Da lag
unser Hans, unser einziger Vertrauter, - dachten wir jedenfalls bis zu
jenem Moment. Auf ihm eine, beziehungsweise einer, und ritt ihn rücklings wie
gewohnt durch’s Hintertor. Was mich allerdings trotz allem zum
schmunzeln brachte, was die Tatsache, dass Hans dabei seine Chauffeursmütze
trug, wenn auch sonst nichts mehr. Das sah irgendwie, wie soll ich
sagen, doch schmissig aus. Er öffnete für einen kurzen Augenblick die
Augen, sah mich an, grinste ziemlich dreist als woll er er sagen: - was
solls – man muss das Beste aus der Situation machen. – Peng – Türe
wieder zu.... Nächste wieder auf. – Und es bot sich ein Bild für Götter.
Mike saß in einer Ecke, unbekleidet natürlich, aber mit der Gitarre um
den Hals und klimperte einige Akkorde von Sympathy for the Devil
allerdings im falschen Key.... – während Steve sich gleich von zwei
dieser umoperierten Grazien verwöhnen ließ. Eine verkostete gerade genüsslich
seine Männlichkeit, während die andere sich seinem Hinterteil widmete.
– Auf dem Beistelltisch lagen zudem sämtliche Inkredenzien die man für eine
Heroinspritze benötigte nebst dem Gift, das in Spuren noch sichtbar
war. – Mike hörte auf zu spielen, und beugte sich
nach vor, um sich die Flasche Wodka zu greifen, die da noch halbvoll
dahin schimmelte. Aber er erreichte sie nicht mehr und fiel wie ein
Stein vorne über, schlug mit dem Kopf an der Bettkante auf, worauf
diese sich augenblicklich rot färbte. Aber an diesem Punkt schwebte der
Cowboy schon in höheren Sphären. – Scheiße, der Kerl lebte hatte
doch nicht etwa den Löffel abgegeben?!!! Wir drehten ihn auf den Rücken, schüttelten ihn,
schrien ihn an und klebten ihm vorsorglich noch ein paar Ohrfeigen auf
die Backe. –
Kein Erfolg. – Steve, inzwischen geläutert durch die Ereignisse,
schob seine zwei Nixen zur Seite, nahm die Wodkaflasche uns schüttete
Mike den restlichen Inhalt ins Gesicht, worauf dieser prustend wieder
zum Leben erwachte. – Gott sei Dank – getrommelt und gepfiffen und
vielen Dank an Smirnoff Wodka.
Wir dachten wirklich schon, Mike hätte
den Löffel abgegeben. Wieder einigermaßen bei Sinnen, schleppte sich
der Kerl ins Badezimmer für einige wohl notwendige Erleichterungen und
ließ sich nicht mehr blicken. Steve, inzwischen wieder rücklings
auf das Bett gesunken, , schnarchte tief und fest und vor allem laut hörbar.
Im hinaus gehen schnappte ich mir noch die Spritze, den Schlauch und den
Rest des Drogencocktails und entsorgte das Zeug indem ich es im angrenzenden Raum, der diesmal Gott sei Dank leer war, mit einer dort
herum liegenden Playboy Zeitschrift umwickelte und anzündete. –
„Bist Du verrückt, - Du fackelst ja die Hütte ab“, schrie mich
meine Busenfreundin an, und versuchte mit hysterischen Verrenkungen
und einer Bettdecke die Fackel wieder zu löschen. – „Mein
Gott hab dich doch nicht so, das Zeugs brennt doch sowieso nicht gescheit
“, rechtfertigte ich fast schon entäuscht über den Mißerfolg, meine Handlungsweise, die mir ehrlich
gestanden heute, wenn ich daran denke, auch ziemlich schleierhaft ist. |
Story
by ebl/musicmirror
copyright