Mein Gott, wie oft bin ich während der Jahre in London an den Manchester Square gelatscht zum National Headquarter von EMI Records, der zugleich auch der Hauptsitz, die Zentrale in Europa ist. – Wie viele Künstler habe ich dort im Laufe der Zeit interviewt, wie viele Erinnerungen hängen an diesem Ort. Eine Anekdote ist noch ganz besonders in meinen grauen Zellen verankert, eine Geschichte, von der ich, wenn ich daran denke, manchmal selbst den Eindruck habe, dass alles nur  meiner Vorstellungskraft entsprungen ist. Aber ich  schwöre Euch, - diese Story stimmt so wie sie hier nieder geschrieben ist in allen ihren Einzelheiten so wahr ich hier sitze. Und bis zu diesem Zeitpunkt – irgendwann, ich weiß es nicht mehr ganz genau 1989, hatte ich, unbedarft wie ich war, keinerlei Ahnung, was Transsexualität in der Musik zu suchen hatte. Aber ich sollte es kurz darauf erfahren, und zwar in all seinen Einzelheiten. – Die Rockband, die es an jenem Tag zu interviewen galt, war ein bis dato eher unbeschriebenes Blatt in der Londoner Szene, - und gerade mal von einem Plattenfirmen Scout aus dem dichten Dschungel der Rock’n’Roll Subkultur  heraus gepickt. Ob’s Zufall war oder sogenannte Beziehungswirtschaft entging meiner Kenntnis. Und ehrlich gestanden, verschwendete ich auch keinerlei Gedanken daran.

Einzige Tatsache, die letztendlich  aufhorchen ließ, war der Umstand, dass sich ein doch sehr renommierter amerikanischer Musik - Produzent dieser Großstadt Casanovas angenommen hatte und anscheinend noch viel vor hatte mit ihnen. John (Anm.: Nachname will ich an dieser Stelle lieber keinen nennen) war einer dieser obercoolen Amis, die stets aus dem Ei gepellt aussahen, aber trotzdem diesen leichten Touch des lasziven Lässigkeit hervor kehrten. Cool, ja das war die richtige Beschreibung inklusive dem obligatorischen Kaugummi, den wohl jeder Ami irgendwo zwischen Eck- und Backenzahn kleben hatte. – Er sagte nicht viel, interessierte sich eher für irgendwelche nichtssagenden Aktenordner oder diverse golden Schallplatten, die da eingerahmt an den Wänden herum hingen. – Von mir nahm er schon erst gar nicht Notiz. Ein flüchtiges „Hi, how are you“ – war so ziemlich das Einzige, das ich höflichkeitshalber zu hören bekam. – 
Auch egal, dachte ich mir und widmete meine Aufmerksamkeit den beiden Jungs der Band, die sich da übrigens „Wild Child“ nannte. Ich wollte mein Ding hinter mich bringen und anschließend noch ein wenig durch die Oxfordstreet schlendern, die grad mal um die Ecke lag. – Geld hatte ich sowieso keines, also keine Gefahr, dass ich zuviel ausgeben könnte. 

 – Okay: „How did you start out?“ – und – „what got you into this kinda music?“ oder „how did you get recognised“ – die üblichen Routinefragen an eine Gruppe, von der man bis dato nichts gehört hatte und obendrein vergessen hatte sich das Info durchzulesen, geschweige denn, sich die Platte angehört hatte. – Und über allem – wer weiß, ob mir das Ding überhaupt jemand abnehmen würde. – Diplomatie hieß und heißt auch heute noch das Zauberwort. – Man muss als Journalist auch mal die kleinen unbedeutenden Interviews annehmen, damit man beim nächsten Mal auch wieder die großen Stars vors Mikro bekam. Würde man sich nur die Rosinen heraus picken, dann wär der Ofen bald  aus. – Und klar doch versuchte ich auch eben diese neuen Emporkömmlinge in irgendeiner Form in diversen Printmedien unterzubringen. Manchmal gelang es, manchmal auch nicht, und das Ganze geriet schnell wieder in Vergessenheit. So auch diese Band, von der ich später übrigens nie wieder etwas gehört habe. – Aber die Ereignisse die auf dieses Interview folgten, haben sich für immer und ewig in meinem Gedächtnis vergraben. – „Alright, thank you Boys, it was nice talking to you“ – die übliche Leier mit einem freundlichen Shake Hands – und ab die Post.... 

Nein, diesmal nicht. Ich war gerade im Begriff die Klinke zu drücken, als dieser John nun doch seine Aufmerksamkeit in meine Richtung lenkte und meinte: „eh honey, we are having a party ... um  den Vertragsabschluss zu feiern. Wir sprechen gerade darüber. Hast Du Lust zu kommen?“ – Anscheinend dachte er, ich hätte seine Konversation mit einigen anderen EMI Executives mit angehört und fühle sich nunmehr verpflichtet mich höflichkeitshalber auch einzuladen. – Zu jener Zeit war ich, wie schon erwähnt, nicht gerade gut bei Kasse. Und jede Partyeinladung, - und derer gab es viele damals, nahm ich dankbar an. Denn das hieß ausgehen, keinen Penny  bezahlen und trotzdem auch noch Spaß zu haben. – Na ja, der Spaß war auch nicht immer und überall obligatorisch. Sagen wir so, - wenn man auf so viele Aftershow Parties  und andere Events gegangen war wie ich, - manchmal waren es bis zu sieben in einer Woche, dann  stellt man unwillkürlich irgendwann fest, dass zwar der Künstler immer wieder ein anderer -, aber der Rest der Meute meist die selbe ist. - Und der Zauber im Endeffekt auch immer die gleiche monotone Routine vorgab. – Shit, was soll’s. Ich sagte natürlich wieder zu und John bedeutete mir noch, - ich könne gerne jemanden mitbringen und solle abends at 6 p.m. wieder hier am Manchester Square sein vor dem Office. Es würde ein Abhol- bzw. Bringservice bereit stehen. Etwas verwunderte mich zwar diese Vorgehensweise, aber auch das steckte ich schulterzuckend weg. Hauptsache – gutes Futter und einen Schampus, alles weiter würde sich schon ergeben.
Gebongt, 6 p.m. samt Claudia im Schlepptau tauchten wir wieder auf am Square um dort eine weiße Stretchlimousine vorzufinden, die da wartete... Boahhhhh – das konnte sich sehen lassen, waren wir doch nie zuvor im Leben in einer solchen Karre mitgefahren. – Echt krass – aber edel. Und wir fühlten uns sofort wie zwei Upper Class High Society Ladies, deren Chauffeur darauf wartete, ihnen die Tür zum Einstieg aufzuhalten. -  „Meine Damen, darf ich Sie bitten Platz zu nehmen im Wagen“ – kam in einwandfreiem akzentfreiem Deutsch. – Hans hieß er, der Chauffeur – und aus Wuppertal war er. – Wir lachten erleichtert in der Vorstellung, dass man durch einen muttersprachlich Gleichgesinnten so eine Art Verbündeten gefunden hatte. – Aber warum eigentlich? Wir fuhren doch nur zu einer Party. – Einer ganz normalen Party – oder doch nicht?

Die Limousine war jedenfalls sehr geräumig, genauer gesagt, so groß, dass wir neben bereits fünf anderen Lichtgestalten spielend und das auch noch äußerst bequem, Platz fanden. Eigenartige Vögel waren das schon hier. Drei von ihnen, super sexy gestylt, mit einem Busen, dass sogar Dolly Buster vor Neid erblassen würde, in Lack und Leder gekleidet, chauvinistisch angehaucht mit diesem extremen Hauch der Extravaganza. Zumindest schienen es alles Engländer und Engländerinnen zu sein, und wir fühlten uns sicher in der Annahme, dass uns keiner verstehen könne in unserem Gespräch. Eine weitere Limousine hielt an. Ich erkannte die beiden Typen von der Band, ich glaube Mike und Steve hießen sie, die ebenfalls mit mindestens noch mal fünf weiteren Paradiesvögeln das andere  Gefährt bestiegen. – Und ab ging die Post. Während der Fahrt konnte ich mir nicht umhin, mir unsere Kolleginnen im Taxi näher anzusehen. Blonde Mähnen, Haare, wie ich sie mir nur im Traum erhoffen könnte, Figuren, die ich in 100 Jahren beinhartem Trainings nicht erzielen würde... einfach klasse – perfekt. – Jawohl – perfekt, das war der richtige Ausdruck.... Da war einfach alles -zu- perfekt. Und  irgendetwas störte uns an diesen Jetset Beauties. Während der einen Stunde Fahrt, bei der wir nicht den blassesten Schimmer hatten, wo es überhaupt hin ging, zerbrachen wir uns den Kopf, was es denn war, das uns so fehl stimulierte.„Nutten“ – rief Claudia. „Ja klar, das sind Nutten.“ Oder doch nicht? – Nein, da war doch noch Mike und Steve von der Band  und.... ja wo war eigentlich John, der Produzent, der Gastgeber für diese, doch recht seltsame Einladung? – Wir sollten es bald erfahren.

Maidenhead. – Nun, -  Maidenhead ist eine Stadt westlich von London, die eigentlich keine Stadt, sondern eher ein Kaff ist, irgendwo in der Pampa in der Grafschaft Surrey. Und ausgerechnet in Maidenhead nannte dieser Produzent eine Villa sein eigen. Diese wiederum befand sich allerdings nicht im Ort selbst, sondern eher an den äußersten Gebietsgrenzen gelegen in einem Waldstück. Auf gut deutsch – dort wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. –

Aber feudal war sie die Villa – alle Achtung. Riesengroß und halbkreisförmig angelegt inklusive Indoor Swimmingpool. Im Garten befand sich obendrein ein Tennisplatz, sowie eine Minigolfanlage. Nobel geht die Welt zugrunde dachten wir, bestaunten weiter die feudalen Örtlichkeiten und ließen uns vom Hausherrn selbst, der uns hier mit breitem Grinsen in Empfang genommen hatte , mit einem Cocktail – Marke Eigenkreation verwöhnen. – Wauw, - das durfte doch alles nicht koscha sein. Das war mal ganz etwas anderes als die herkömmlichen Aftershow Meets and Greets, meist in abgefuckten Backstage Bereichen diverser Londoner Venues, und ab und an auch mal in namhafteren Bars der Stadt. -

Wir genossen die Pracht, ließen uns den alkoholsatten Saft schmecken und lauschten der Klänge von Elvis und den Rolling Stones. „Dallas und der Denver Clan, - ha ha, das war’s.... Ball der Ölbarone“ – rief ich Hans zu, der als Chauffeur keineswegs benachteiligt wurde, sondern nunmehr, nachdem er alle Gäste sicher an ihr Ziel gebracht hatte, selbst die Annehmlichkeiten der Örtlichkeit genießen durfte. – John schlug mit dem Löffel gegen ein Glas um ein Stillschweigen zu erbitten, hielt eine kleine Ansprache in Bezug auf die Band, um dann eine hoffentlich anregende und wohltuende Nacht in seinem bescheidenen Haus zu wünschen. – Mensch, waren wir naiv. Wir ahnten noch immer nicht, was da auf uns zukommen würde. Und die Erkenntnis, dass irgendwas mit all den Zaungästen nicht stimmte, die hatten wir schon längst wieder vergessen.
                                                             
Jauuu – „Wer hat Lust auf ein Erfrischungsbad“, rief die dralle Blondine mit dem riesigen Vorbau, um im nächsten Augenblick einen Striptease ala’ Theresa Orlovski hinzulegen und sich ins kühle Nass zu stürzen. Fast augenblicklich folgten mindestens zehn weitere Partygäste ihrer Aufforderung, entledigten sich ihrer dünnen Bekleidung und sprangen ebenfalls ins Wasser. – Und wir zwei Landpomerantschen standen da, bekamen den Mund nicht zu und traten nach einer ewig langen Sekunde der Benommenheit, schleunigst den Rückzug an. – Nein, baden war nicht, - schon gar nicht ohne alles.... Noch unschlüssig was jetzt zu tun sei, wurden wir alsbald mit der nächsten Tatsache konfrontiert. Nämlich, dass all diese plantschenden Nackedeis überhaupt nicht daran dachten, nach Verlassen des Pools, sich wieder züchtig anzukleiden, auch wenn es nur ein Mikromini war oder ein Shirt mit Mammutauschnitt. – Ja, war denn das die Möglichkeit! Diese Damen und Herren fassten sich an den Händen, erstrebten in Fünferreihen die Freitreppe um im nächsten Moment in diversen Räumlichkeiten der ersten Etage zu verschwinden. – „Hans was soll das alles? Wo sind wir hier? Was... und überhaupt....“ – Hunderttausend Fragen lagen mir auf der Zunge.  Und der gute Mann aus Wuppertal lachte nur, und meinte, ob wir denn immer noch nicht geschnallt hätten, wo und vor allem mit wem wir hier wären. Nein, er könne uns jetzt nicht heim bringen, denn er habe strickte Order hier zu bleiben, bis alle wieder zurück kutschiert würden. – Du heilige Scheiße! Langsam dachte ich wirklich, da läuft ein falscher Film ab. –

Nun, - was war zu tun? Zurück in die große Lounge, dort wo noch vor einer Stunde die feierliche Ansprache abgehalten wurde. – Und was bot sich unseren Augen? – Ein Kreis nackter aufgegeilter Typen und Weibern, die sich gegenseitig an den Händen hielten. In der Mitte saß  die Ehefrau des Gastgebers, ebenso splitternackt und wurde kräftig von allen Seiten angefeuert. 

Sie hielt eine leere Champagnerflasche in der Hand, die sie horizontal auf den Teppich legte und wie einen Kreisel rund um bewegte. Und der- oder diejenige, auf den der Flaschenhals bei Stillstand letztendlich zeigte, machte sich daran, sich das Ding in eine seiner unteren Körperöffnungen, meist war es die hintere,  zu stecken und sich hörbarer Selbstbefriedigung hinzugeben. Das hatten wir in unserem einfachen, und doch eher unbedarften Daseins nun doch noch  nicht so erlebt. Und dank dieser Tatsache zu Salzsäulen erstarrt und fasziniert von dem Geschehen, hingen wir zwischen Tür und Angel und warteten einfach darauf was wohl als nächstes geschehen würde. Die Starre wurde noch etwas steifer, als ich eine Hand auf meiner Schulter registrierte, die sich aber – Gott sei Dank als die von Hans entpuppte. „Mädchen“, meinte er, „warum glaubst Du wohl, bevorzugen die alle in den Arsch gefickt zu werden“?



 – Nein, natürlich wusste ich das nicht in meiner Naivheit. – „Das sind Männer, - verdammt noch mal. Siehst Du das nicht. Schau ihre riesengroßen Hände an, oder die Füße mit mindestens Schuhgröße 45. Oder sieh Dir mal den Kehlkopf von der drallen Blondine an.“ – „Ja aber....“ stotterte ich, „die haben doch alle keinen.....“ – „Madonna, begreifst Du denn noch nicht“? erklärte mir ein etwas ungeduldig gewordener Hans. – „Das sind Transsexuelle – umoperierte Männer. Weißt Du was das ist. Das sind im Grunde genommen noch immer Männer aber mit den falschen bzw. entfernten Geschlechtsorganen. Und hinzu zaubern kann man ja keines mehr. Also ist die einzige Körperöffnung nun mal  hinten – kapiert?“. -  Ja klar, hatten wir das kapiert, sahen uns an, um innerhalb einer Zehntelsekunde eine Kehrtwendung zu machen und los zu stürmen. – Nur wohin...? „Küche“ – Claudia schrie irgendwas von einer Küche. – Verdammt noch mal, was wollte sie in der Küche? – „Na, da ist doch noch diese Eistorte in der Kühltruhe, die uns anfangs angeboten wurde. Lass uns die verspeisen“. – Heiliges Kanonenrohr, gabs das wirklich. Konnte diese Frau in jener Situation wirklich nur ans Futtern denken? Keinen Bissen würde ich runter bringen um im nächsten Moment ein Riesenstück verdrückt zu haben. "Hey was soll’s Baby? Weg können wir  hier nicht. Vergewaltigen wird uns auch niemand. Und mitmachen müssen wir schon überhaupt nicht. Also was soll’s – lass uns futtern." -

Just ging schon wieder die Doppelschwingtüre auf und herein stolzierte eine Dame ....äh Herr, oder was der Geier das was, - mittleren Alters. Bekleidet in schwarzem Fetisch Outfit, mit einem attraktiven Hundehalsbald beschmückt – Marke Pittbull Terrier. Sozusagen als das kliene Accecoire. In der einen Hand hielt sie einen überdimensionalen Joint, in der anderen eine Lederpeitsche. Hilfe – was wollte denn die, der ... jetzt von uns? Die Distanz verringerte sich zusehends und er, sie war stumm bis auf ein bizarres fast nicht hörbares Grunzen, das sich aus der tiefsten Kehle entrang. „Claudia, schmeiß die Torte rüber“, schrie ich, - nahm das, mit vollem Schwung über die Küchentheke geschobene Teil in Empfang, hob es samt Teller auf und landete die ganze Köstlichkeit mitten ins faltige Antlitz dieses Zwitters, oder was auch immer das war. Raus hier, nix wie raus. – Und da lagen sie, oben unten hinten und drüben, - aufeinander, übereinander, von vorne und von hinten  und gaben sich der vollen Bandbreite menschlicher Triebhaftigkeit hin. Um zur Treppe zu gelangen war ich gezwungen so manches menschliche Hindernis zu überwinden indem ich schlicht und ergreifend einfach darüber hinweg stieg.  Das dezent gehauchte – „excuse me please“ – hätte ich mir auch sparen können. Denn all diese Transsexuellen Geschöpfe der Lusthaftigkeit waren so mit sich selbst beschäftigt, dass wahrscheinlich auch ein Elefant über sie hinweg trampeln hätte können. Und sie hätten es nichts aber auch gar nichts in ihrer Ekstase bemerkt. – Eines stand jedenfalls fest. Ich dachte immer, ich wüsste alles über Sex  - das know how und wie und überhaupt. Aber in jener Nacht wurde ich eines besseren belehrt und bekam Abartigkeiten menschlicher Urinstinkte zu sehen, derer ich nie im  Traum daran geglaubt hätte, dass es sie gäbe. Die mich glauben ließen, eine reine Unschuld vom Lande zu sein verglichen mit den Perversitäten, die sich hier abspielten. Normaler Verkehr war fast schon die Ausnahme, stopfte man sich doch gegenseitig jegliche –nicht niet und nagelfesten Gegenstände in den Anus und holte sich gegenseitig buchstäglich die Scheiße heraus. Es war widerlich. Und es stank.
Nein, das hier hatte mit Rock’n’Roll jedenfalls nichts mehr zu tun.


Anm: Das  bin nicht ich  !!!!!

Wo waren denn eigentlich unsere Superstars, wegen derer diese Orgie überhaupt veranstaltet worden war? – Aber erstmal ab in den ersten Stock. Wir wollten ein Zimmer finden, dass wir von innen verschließen konnten, und um dann zu versuchen ein paar Stunden Schlaf zu nachzuholen. Wie gesagt, weg konnten wir hier ohne Auto ohnehin nicht. Und unten in der Höhle des Löwen wollten wir auch nicht verweilen. – Ich meine, ich habe wirklich auch gern hin und wieder guten Sex, aber das hier... – nein danke. Das war doch etwas zu heavy. Erste Tür – auf.... ach Du lieber Schwan. Da lag unser Hans, unser einziger Vertrauter, - dachten wir jedenfalls bis zu jenem Moment. Auf ihm eine, beziehungsweise einer, und ritt ihn rücklings wie gewohnt durch’s Hintertor. Was mich allerdings trotz allem zum schmunzeln brachte, was die Tatsache, dass Hans dabei seine Chauffeursmütze trug, wenn auch sonst nichts mehr. Das sah irgendwie, wie soll ich sagen, doch schmissig aus. Er öffnete für einen kurzen Augenblick die Augen, sah mich an, grinste ziemlich dreist als woll er er sagen: - was solls – man muss das Beste aus der Situation machen. – Peng – Türe wieder zu.... Nächste wieder auf. – Und es bot sich ein Bild für Götter. Mike saß in einer Ecke, unbekleidet natürlich, aber mit der Gitarre um den Hals und klimperte einige Akkorde von Sympathy for the Devil allerdings im falschen Key.... – während Steve sich gleich von zwei dieser umoperierten Grazien verwöhnen ließ. Eine verkostete gerade genüsslich seine Männlichkeit, während die andere sich seinem Hinterteil widmete. – Auf dem Beistelltisch lagen  zudem sämtliche Inkredenzien die man für eine Heroinspritze benötigte nebst dem Gift, das in Spuren noch sichtbar  war. – Mike hörte auf zu spielen, und beugte sich nach vor, um sich die Flasche Wodka zu greifen, die da noch halbvoll dahin schimmelte. Aber er erreichte sie nicht mehr und fiel wie ein Stein vorne über, schlug mit dem Kopf an der Bettkante auf, worauf diese sich augenblicklich rot färbte. Aber an diesem Punkt schwebte der Cowboy schon in höheren Sphären. – Scheiße, der Kerl lebte hatte doch nicht etwa den Löffel abgegeben?!!! Wir drehten ihn auf den Rücken, schüttelten ihn, schrien ihn an und klebten ihm vorsorglich noch ein paar Ohrfeigen auf die Backe. – Kein Erfolg. – Steve, inzwischen geläutert durch die Ereignisse, schob seine zwei Nixen zur Seite, nahm die Wodkaflasche uns schüttete Mike den restlichen Inhalt ins Gesicht, worauf dieser prustend wieder zum Leben erwachte. – Gott sei Dank – getrommelt und gepfiffen und vielen Dank an Smirnoff Wodka. 

Wir dachten wirklich schon, Mike hätte den Löffel abgegeben. Wieder einigermaßen bei Sinnen, schleppte sich der Kerl ins Badezimmer für einige wohl notwendige Erleichterungen und ließ sich nicht mehr blicken. Steve, inzwischen wieder rücklings auf das Bett gesunken, , schnarchte tief und fest und vor allem laut hörbar. Im hinaus gehen schnappte ich mir noch die Spritze, den Schlauch und den Rest des Drogencocktails und entsorgte das Zeug indem ich es im  angrenzenden Raum, der diesmal Gott sei Dank leer war, mit einer dort herum liegenden Playboy Zeitschrift umwickelte und anzündete. – „Bist Du verrückt, - Du fackelst ja die Hütte ab“, schrie mich meine Busenfreundin an, und versuchte mit hysterischen Verrenkungen  und einer Bettdecke die Fackel wieder zu löschen. – „Mein Gott hab dich doch nicht so, das Zeugs brennt doch sowieso nicht gescheit “, rechtfertigte ich fast schon entäuscht über den Mißerfolg, meine Handlungsweise, die mir ehrlich gestanden heute, wenn ich daran denke, auch ziemlich schleierhaft ist.
Geschlafen hatten wir jedenfalls in der Nacht nicht mehr. Zu aufregend waren die vorhergehenden Ereignisse, zu groß die Angst, dass doch noch einer dieser Zombies den Weg zu uns hier her finden würde und uns vernaschte, und zu schal der Nachgeschmack bezüglich der Tatsache, dass wir im Grunde genommen auf eine Rock’n’Roll Sexorgie hereingefallen waren, die so – ausschweifender und extremer nicht hätte sein können, allein schon mit dem Wissen, dass wir wohl inmitten der ca. 50 Gäste die einzigen wirklichen Frauen waren. Nein, prüde waren wir beileibe nicht, und One Night Stands hatte es auch schon so einige gegeben. Aber ich hatte noch nie an einer Gruppen-Sex-Party teilgenommen, geschweige denn war und bin ich bis heute jemals Gast in einem Swingerclub gewesen. Und das Ganze schon absolut und überhaupt nicht in der Gesellschaft von  Transsexuellen.
                                                                                          
Das Ende der Geschichte war dann auch eher unspektakulär. Der Morgen kam, Hans scheinbar wieder vollkommen nüchtern in steifer Uniform stand bereits draußen bei der Limousine und wartete darauf die illustere Gesellschaft samt uns zwei Unschuldlämmern  wieder nach London zurück zu  kutschieren. Es wurde kein Wort gesprochen auf der Rückfahrt. Und am Manchester Square sagte auch niemand auf Wiedersehen, nicht einmal Hans. -

Von nun an jedenfalls würde ich wieder mit Freuden den üblichen, gewohnten Aftershow Parties in der Keith Moon Bar  - Backstage im Astoria frönen, oder im Green Room im Marquee oder in der Lounge des Hammersmith Odeons inklusive des einen oder anderen Rendevouz mit einem normalen Mann wohlgemerkt. Fest  steht, - das Wild Life of Rock’n’Roll ist eigentlich ziemlich brav und bieder, verglichen mit dem was wir an jenem Abend inklusive sämtlicher menschlicher Abgründe erlebt hatten.
Long live Rock’n’Roll and I like it......

Story by ebl/musicmirror
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