Okay, - da ich nach wie vor keinen genauen Plan habe, wann die Dinge exakt abgelaufen sind, beginne ich einfach mitten drin, in einer Phase, die ich so ziemlich als , die schönste, die schlimmste und auch ereignisreichste meines Rock’n’Roll Lifes bezeichnen möchte.
London 1990 – im Stadtteil Balham im unteren Süden der Stadt.


Und das hier unten sind Jeff und Dany. Dany  bzw. Daniela, ist Deutsche aus Köln, und lebte damals bereits seit einigen Jahren in der britischen Hauptstadt. In dieser Zeit hatte sie auch Jeff kennen und lieben gelernt. Dany arbeitete im vornehmen Harrods Kaufhaus in der Kosmetikabteilung am Lancome Stand und brachte wesentlich mehr Geld im Monat nach Hause, als ihr Schatz, der sich sein tägliches Brot, (genauer definiert, sein 'ab und zu' Brot) als Gitarrentechniker verdiente. Zusätzlich spielte Jeff noch in einer lokalen Hardrock Band namens „The Fat Bastards“. – Aber das Betätigungsfeld dieses Quartets beschränkte sich auf  Londoner Pubs wie The Half Moon in Putney, The Old Leatherbottle in South Wimbledon oder The Red Lion in Bradford und noch einige andere Lokalitäten. Zum Hammersmith Odeon, geschweige denn Wembley Stadion hätte es ohnehin nie gereicht. Wie ich die Beiden kennengelernt habe, weiß ich nicht mehr so ganz genau, aber ich meine mich erinnern zu können, dass es ebenfalls bei einem Pub Event war, bei welchem sich „Paddy Goes To Hollyhead“ (nicht zu verwechseln mit den irischen Namensvettern) die Ehre gaben. Diese Jungs gehörten ebenfalls zur berühmt- berüchtigten Londoner Rockszene. 

 
 
The Fat Bastards

Ich muss noch hinzufügen, dass ich genau diese Art von Events, nämlich die kleinen, intimen Auftritte, manchmal sogar sehr bekannter Musiker, mehr liebte als die großen, regulären Konzerte. Und wenn man alles zusammen rechnete, dann kam ich zu jener Zeit auf gut sieben Veranstaltungen in der Woche, - manchmal sogar zwei an einem Abend. Ja, ich war jung, ich wollte den Duft der Verruchtheit riechen, - ich wollte einfach nur leben!
Und das war anstrengend, denn ich kam im Durchschnitt auf drei Stunden Schlaf pro Nacht, arbeitete tagsüber als Deutsch-Nachhilfelehrerin, Babysitterin und Mädchen für alles im österreichischen Touristenverband und musste nebenbei noch meine Stories für eine österreichische Zeitschrift zu Papier bringen. Letzteres verschob ich des öfteren auf’s Wochenende, bzw. bis dahin, wo’s dann höchste Eisenbahn war zwecks Redaktionsschluss.
Nun, - Jeff und Dany waren meine Freunde. Sie wohnten nur zwei U-Bahnstationen an der Northernline entfernt von mir, was für Londoner Verhältnisse ein Katzensprung ist – nebenbei bemerkt. – Und saß ich des öfteren bei ihnen zu Hause am Küchentisch, und wir leerten so manche Dose Carlsberg Special Brew.  Ein sehr empfehlenswerter Gerstensaft übrigens inklusive 11 % Alkohol. Bei mir reichten im Durchschnitt zwei dieser Dosen und ich lag flach. Aber es schmeckte köstlich. -


Lemmy's Lieblingsbier nebenbei erwähnt

So begab es sich eines Tages, als ich wieder mal an Jeff und Danys Tür klingelte, dass dieser Typ da im Wohnzimmer auf der Couch lümmelte, mich ziemlich von oben herab musterte und grad mal ein gedehntes ‚High’ über die Lippen brachte. Das erste was mir auffiel, war die protzige goldene Rolexuhr samt mindestens fünf, ebenfalls güldene Armbändern. Und das war mit Sicherheit kein Fake. -  Ja klar, - von irgendwoher kannte ich diesen Kerl, - dachte es – um im nächsten Augenblick zu erkennen, wen ich da eigentlich vor mit hatte. Yngwie Malmsteen – Gitarrengott aus Schweden, bekannt geworden durch Bands wie Alkatraz usw. – Herrgott zum Teufel noch mal... war ich im falschen Film hier oder was? Was machte ein Typ wie Malmsteen auf Jeff und Danys  Livingroom Couch? Nun, die Frage wurde alsbald beantwortet. Jeff erklärte mir, dass Yngwie  hier ist um ein neues Album abzumischen und für ca. drei Wochen in London weilen würde, und er, Jeff, schon früher einmal als sein Gitarrenrowdy gejobbt hätte. – Und da  der Meister heute mal geruhte nichts zu tun, habe man beschlossen den Abend gemeinsam zu verbringen. -

Nein, sein Typ schien ich jedenfalls nicht zu sein, das stand fest. Yngwie beäugte mich nach wie vor mit Argusaugen, nahm einen Schluck aus einen Glas, das mit Cola / Whiskey gefüllt hatte und stieß hörbar auf. Na prost Mahlzeit, das konnte ja noch was werden.
                                                                

“Lasst uns doch ins Hippodrome gehen (Anm. Londons größte Diskothek
)
......

 – heute ist Mittwoch also Rocknight“, - schlug Dany vor. „Und ich habe gehört, dass ‚Midnight Blue’ auftreten würden. Die sind wirklich gut. Kennst Du schon die neue Scheibe?“, fragte sie mich. Klar kannte ich die, und sie war tatsächlich hörenswert. Yngwies Antwort war ein undefinierbares Grunzen und Schulterzucken. Und mit teilnahmsloser Miene setzte er sich ebenfalls in Bewegung. – Underground – is’ nicht, sorry. Ein Herr Malmsteen fährt nicht mit der U-Bahn. Also ab ins Minicab und auf gings in Richtung Hippodrome – übrigens direkt am Leicester Square mitten im Herz von London. Ich nannte das Ding schon meine Stammkneipe, da ich wirklich fast jeden Mittwoch Abend meinen Weg dorthin fand. Diese Rocknacht war von Tammy eingeführt worden, die wiederum die Lebensgefährtin von Motörheads damaligen Gitarristen Wurzel war. Interessant wurde es in dem Laden ohnehin erst gegen 23 Uhr und die ganze Rock’n’Roll Gemeinde Londons und Umgebung fand sich dort wöchentlich zum Tete’a’Tete ein. Das fing bei Lemmy an, führte über Steve Harris oder Nicko McBrain von Iron Maiden und Mick Box von Uriah Heep fort bis hin zu Biff Byford von Saxon und etlichen anderen Individuen des international bekannten Hardrock Jetsets. Es gab natürlich einen abgetrennten Raum, der für die V.I.P.s reserviert war, wurde aber von denen nur teilweise genutzt. War auch nicht notwendig. Londoner Rockfans sind angenehme Zeitgenossen. Sie belästigten niemanden großartig mit Autogrammwünschen oder Fotoschnappschüssen. Und ließen die Großen der Großen feinfühligst in Peace und Ruhe ihren Champus oder Whiskey on the rocks schlürfen. -
Das Hippodrome ist eine kreisrunde Einrichtung und besitzt wie in einem Theater drei Balustraden auf drei verschiedenen Ebenen mit mindestens zwei Bartresen auf jeder einzelnen. Unten im Erdgeschoss befand sich die Bühne und die Tanzfläche in der Mitte, gut einsichtlich von allen Seiten und von jeder Höhe. Und wie schon angedeutet, trat jeden Mittwoch eine andere Band dieses Genres auf, um sich noch etwas bekannter und noch etwas beliebter beim Londoner Publikum zu machen.
 


Jeff & Yngwie im Hippodrome - Prost !

Alright, da waren wir nun also angekommen, liefen an der Schlange wartender Hardrockjünger vorbei um als V.I.P.s sofortigen Einlass zu erhalten inklusive roten Teppichs und fünf, in Frack und Zylinder gekleideter Securitys. Oben wolle er sitzen, betonte Meister Malmsteen und rannte wie ein Oberfeldwebel vorne weg, straight die Stufen hoch auf die erste und dann zweite Balustrade. Und da saßen wir nun, leicht benommen vom bereits konsumierten Starkbiergenuss, aber immer noch absolut Herr der Lage. 


          Claudia
Eine Flasche Jack Daniels, zwei Flaschen Cola und eine Flasche Wodka samt Johannisbeersaft schmückten den Tisch, und die ganze Konversation drehte sich um das gekonnte Mischen diverser Alkoholikas, - nicht etwa von Musik. -  Ich seilte mich jedenfalls ab für eine Weile mit dem Excuse für einen Toilettenbesuch um zumindest eine Weile aus dem Blickfeld dieses arroganten Schnösels zu geraten. – Aber hallo, hatte ich da nicht Claudia erblickt, meine einstige Hass/Freundin. Wir kannten uns schon einige Jahre und hatten auch so einiges miteinander erlebt, aber unser Verhältnis galt immer nach dem Motto: Pack schlägt sich, Packt verträgt sich. Claudia war Österreicherin, so wie ich – und war wegen mir ebenfalls nach London gegangen. Allerdings währte ihr Aufenthalt nicht besonders lange, setzte man sie doch bereits nach sechs Monaten wieder vor die Tür. 

Man muss dazu sagen, dass Österreich damals noch nicht Mitglied der EU war, und wir daher auf einer Ebene mit Äthiopien, Uganda oder Paraguay standen. – Sechs Monaten und keinen Tag länger duldete man uns im britischen Königsreich. Mit ein paar Tricks brachte ich es allerdings im Endeffekt auf immerhin ganze fünf Jahre. Aber das später.
“Hallo Claudia,“ rief ich, überglücklich nicht mehr allein zurück in die Höhle des Löwen gehen zu müssen, „what’s up. Bist Du allein hier?“ – Sie, die ebenfalls (noch) allein dastand, und happy, dass dieser Zustand jetzt beendet war, nickte bejahend und folgte mir auf die Balustrade. „Hey Guys, das ist Claudia, meine Freundin, - darf ich sie Euch vorstellen?“

“Klar darfst Du“, rief Jeff  und deutete gleich  sich hinzusetzen. Eine weitere  Konversation kam nicht mehr zustande, fingen doch just in diesem Moment „Midnight Blue“ mit ihrem Set an. – „What the fuck...... ist denn das für eine Scheiße“ schrie Yngwie in der darauffolgenden Sekunde, stand, wie von einer Tarantel gestochen auf, wankte zweimal nach vorne, griff nach der Jack Daniels Flasche und warf sie in hohem Bogen nach unten auf die Bühne. – Volltreffer! Das Ding verpasste nur knapp den Kopf  des Bassisten um dann mit voller Wucht auf den linken Amplifyer zu treffen. Tooooorrr! Und aus der Traum. Was dann passierte ging so schnell, dass ich es irgendwie nur am Rande mitbekam. Wie von Geisterhand standen urplötzlich drei dieser schwarzen Kleiderschrank-Securities da, packten unseren schwedischen Abgesandten rechts und links und beim Kopf und schleppten ihn erbarmungslos nach unten in Richtung Haupteingang. Dieser wehrte sich mit Händen und Füßen und stieß Verfluchungen wie : „Scheißpack elendes, Ihr Wichser Ihr verdammten, lass mich los, du schwarze Drecksau“ – aus, und sein Kopf blähte sich auf wie eine Tomate kurz vor der Ernte. Wir buxsierten den, nahe am Herzinfarkt – gefährdeten Irren in das nächstbeste Taxi, sprangen  hinterher und wiesen den Fahrer an, uns schnellstens zum Hilton Hotel am Marble Arch zu kutschieren. Dort nämlich logierte Meister Malmsteen auf der fünften Etage in der Nobelsuite.
“Stop the car, stopp it“ – kreischte der, noch immer aufgebrachte Schwede, sprang mitten auf der Kreuzung Tottenham Court Road / Oxfordstreet aus dem Cap und drappierte drei halbleere Bierflaschen, die er noch vorsorglich mitgehen hatte lassen auf dem Asphalt. Dann klatschte er in die Hände und hoffte auf ein sich  näherndes Vehikel und eine eventuelle Kollision mit den Botteln. –


Jeff & der Rest der Malmsteen Band

Jeff war inzwischen ebenfalls aus dem Cap gekrochen, wankte sturzbesoffen auf die Alkoholbatterie zu. Aber nicht etwa, um sie aus dem Weg zu räumen, sondern um sich seelenruhig mitten auf die Strasse zu setzen und die Reste aus den Flaschen raus zu nuckeln. Yngwie platzierte sich daneben und die Komik der Situation ließ eher an eine Kriegsratsversammlung von Siouxindianern erinnern. Allerdings wurde diese bereits nach wenigen Minuten von übereifrigen Polizisten unterbrochen. Ausweiskontrolle, das übliche Szenario, -nur- eine Verwarnung, und ab ging die Post weiter in Richtung Hilton Hotel. 
Ja, die Suite konnte sich tatsächlich sehen lassen. Mindestens 500 Pfund pro Nacht, schätzte ich grob, inklusiver vergoldeter Wasserhähne im Bad und eigenem Whirlpool. Yngwie plünderte die Minibar und bestellte noch drei Flaschen Jack Daniels vom Zimmerservice. Anschließend gab’s eine Kostprobe seiner Gesangskünste, die allerdings unter größtem Protest aller Anwesenden nach wenigen Minuten wieder gestoppt wurde. – Nein, eines stand fest, - so brillant er Gitarre spielen konnte, so miserabel war seine Stimme. –

Eigenartigerweise hatten sich die Gäste in Yngwies Suite in der letzten halben Stunde auf wundersame Weise vermehrt inklusive Lemmy von Motörhead. Die meisten der anderen Freaks kannte ich nicht. War mir auch ehrlich gestanden egal. 
Dany und Jeff unterhielten sich mit so einem wichtigtuerischen Rübezahl im Vorraum der Suite, während sich Claudia von einem langhaarigen Adonis anbaggern ließ, der aber nicht wirklich ihr Fall war. Das konnte ich schon aus ihrer konstanten Leidensmiene ersehen. –
Oh, jetzt gab es gar eine Guitar Session vom Meistro und Motörhead Mastermind zusammen. Geil! Hey, Lemmy konnte ja wirklich richtig gut Gitarre spielen. Er stand Yngwie in fast nichts nach. Das war der Hammer. Ich klatschte vor Begeisterung in die Hände und die anderen taten es mir nach. – Ja, das war eine Party, genauso wie man sich eine Rock’n’Roll Party vorstellte – mit allem drum und dran. – Inklusive dem Kokain. Yngwie zauberte von irgendwoher einen durchsichtigen Beutel mit dem Stoff. Jesus, das war mindestens ein halbes Kilo, wenn nicht mehr. – Schüttete es auf dem kleinen Beistelltisch neben dem Sofa aus und begann es in exakte Linien zu verteilen. Großzügig war er, das musste man ihm lassen. Wahrscheinlich hätte ich von der Kohle, was das Zeugs gekostet hatte, mindestens ein halbes Jahr leben können. Und ich denke mal, dass es sich dabei um keinen billigen Verschnitt handelte. Einer nach dem anderen inhalierte den Schnee, und wir fühlten uns alle wunderbar. Wenn man Kokain durch die Nase schnupft, fühlt sich das an, als wenn man bei – 25 Grad Luft einatmet, die augenblicklich die kleinen Härchen an der Naseninnenwand gefrieren lässt. Ich nehme an, jeder kennt dieses Gefühl. Und man kann Bäume ausreißen danach, die Welt umarmen und in ihrer Grundfestung erschüttern. High, das war es, was wir waren. Richtig gut drauf und 100% dicht. -  Aber der viele Alkohol setzte zum Gegenschlag aus, und schlug wie ein Hammer auf meine Großhirn- oder war es die Kleinhirnrinde... Ach scheiß drauf. Es war mir in dem Moment so ziemlich egal.
 


Fachdiskussionen der anderen Art


Zu -schon- etwas fortgeschrittener Stunde....
Das ist Lemmy's Arm da rechts


Jeff & ? in Action
Die Blondine links im Bild ist jene die
 das Gleiche,aber mit Yngwie später gemacht hat.

Irgendwie schaffte ich es noch, mir ein gemütliches Plätzchen in dem angrenzenden Schlafzimmer zu ergattern und 1- 2- 3  war ich schon hinweg gedämmert – nehme ich jedenfalls an, soweit es mir noch bewusst ist. -
Es war still, sehr still als ich mit einem Brummschädel wieder bei Sinnen war. Lang konnte ich nicht geschlafen haben, das stand fest. Denn es war noch immer dunkel draußen. „Hallo, ist noch jemand da“, - fragte ich ins Leere, um gleich drauf feststellen zu müssen, dass ich tatsächlich allein in dem King Size Himmelbett lag. Oh Shit, meine Beine versagten, und ich musste mich wieder hinsetzen. Beim zweiten Versuch gings schon besser. Ich tastete mich zur Tür, die nicht ganz geschlossen war und war schon gespannt, was mich da erwarten würde. – Ach du heilige Verdammigkeit, das durfte doch nicht wahr sein. Hatte man mich allein gelassen oder wie oder was? Nein doch nicht. Allmählich bekam ich wieder etwas Klarheit in meine optischen Sinne und nahm die Umrisse einer Gestalt wahr, die unschwer als die von Yngwies zu erkennen war. Er hielt die Augen geschlossen und die Schenkel gespreizt. Und dazwischen kniete ein mir unbekanntes weibliches Individuum und beglückte ihn mit all ihrer Finger,- beziehungsweise – Zungenfertigkeit, derer sie mächtig war. Oh was für ein Gestöhne!! – Ich wurde nicht wahr genommen, jedenfalls vorerst. Ich wackelte durch den Raum in die Richtung, wo ich das Badezimmer  vermutete, schaffte es gerade noch rechtzeitig, um all das Gift, den Alkohol und sonstiges ungesundes Zeugs wieder aus meinem Körper zu entfernen. Allerdings nicht ganz freiwillig, sondern unter würgen und brechen. – Hilfe, war mir schlecht in dem Moment. Gab es hier nicht irgendwelche Kopfwehtabletten. Ich inspizierte die Ablage oberhalb des Waschbeckens. Aber alles was ich dort vorfand, war eine Zahnbürste, eine Flasche Aftershave von Drakkar, sowie eine Packung Markenkondome – Inhalt 100 Stück – sogar mit Erdbeerduft.

Ich musste hellauf lachen. Gabs denn so was. Der große Yngwie Malmsteen verwendete für seine Zwecke Verhüterlis Marke Billyboy mit Erdbeerduft. – Ich konnte nicht umhin, die Dinger an mich zu nehmen und als kleines Andenken mit zu nehmen. Beim verlassen des Badezimmers, war der Blowjob jedenfalls beendet. Yngwie erhob sich, stolperte an mir vorbei, ohne mich großartig zu registrieren und vereinnahmte jetzt seinerseits das Bad. Wo waren bloß all die anderen, die vorhin noch fröhlich in diesem Raum gebechert hatten. Weder Jeff noch Dany  waren noch zugegen. Lemmy musste ebenfalls das Feld geräumt haben, und weiß der Geier wo sich Claudia aufhielt. Zu weiteren Überlegungen kam ich nicht. Denn die etwas lädierte Blondine mit dem verlebten Gesicht, in welchem sich die Wimperntusche, - offensichtlich nicht wasserfest,- selbstständig gemacht hatte, schoss wie eine Furie auf mich zu und bedeutete mir eindeutig, dass ich gefälligst auf der Stelle verschwinden solle. – Nein, meine Liebe  - so nicht! Ich riß die Badezimmertür wieder auf, nur um Yngwie genau mitten in seiner Sitzung zu stören. Mir war das egal. Ich schrie ihn an: „Hey ich lasse mich nicht von irgend so einer daher gelaufenen Tussi vor die Tür setzen. Entweder -Du-  wirfst mich raus, oder keiner.“ -   Dank seines verlangsamten Reaktionsvermögen und unschicklichen Lage, stürmte ich wieder hinaus, ergriff die nächstbeste Blumenvase und schleuderte sie der Dame nach. Gott sei Dank verfehlte sie ihr Ziel und traf lediglich eine Fensterscheibe, die daraufhin klirrend zu Bruch ging. – Fuck, - das durfte doch alles nicht wahr sein. Aber ich war in diesem Moment so in Fahrt, und das Kokain, dass immer noch meinen Body und mein Bewusstsein beherrschte, verlieh mir solche immensen Bärenkräfte, dass ich  die Tante kurzerhand an den Haaren ergriff, ihr ein Knie in den Rücken stieß und sie vor die Suite beförderte. – Türe zu und aus, Schluss, Feierabend. -  Irgendwie musste ich damit Eindruck hinterlassen haben. Malmsteen, der inzwischen in die Suite zurück gekehrt war, sichtlich erleichtert nach dem Bad-Aufenthalt, setzte sich in einen der luxuriösen Feutons und griff nach seiner Gitarre, die übrigens immer und überall mit dabei war, - sein weißes kleines Baby. Ich glaube auch heute noch, dass dieses eine spezielle Instrument, das er übrigens  heute noch besitzt, das einzige war, das er jemals wirklich geliebt hat. Ich war gerade beim  überlegen, wie ich meinen Abgang hier gestalten sollte, als ich mit der lapidaren Frage konfrontiert wurde: „hey Darling, kennst Du die Neunte von Beethoven“?

Klar kannte ich die...... Freude schöner Götter Funke, Kyrie in Eley.... usw usw. – Aber soweit kam ich gar nicht. Yngwie begann tatächlich damit, die Neunte von Beethoven anzuspielen. Wunderschön klang es auf der Gitarre. Und ich setzte mich wieder hin um dieser Privat-Darbietung zu lauschen. Ich meine, wo bekommt man das denn sonst noch, - also warum nicht mitnehmen was mitzunehmen möglich war. Ich fragte, ob ich ein Erinnerungsfoto machen dürfe. Denn sonst würde mir das niemand glauben. Er hatte kein Problem damit, oder wollte es auch einfach nicht haben in diesem Moment. Das Konzert dauerte in etwa 50 Minuten, die mir allerdings nicht als solche vorkamen und dann auch noch abrupt durch lautes Klopfen an der Tür unterbrochen wurde. Ich meine, welches Arschloch wollte den jetzt um 4 Uhr 30 morgens noch hier herein? Claudia stand draußen, nass bis auf die Haut , zitternd und aschfahl im Gesicht. Sie stammelte etwas von Scheißtyp, der  sie gegen ihren Willen angemacht hätte, sprachs und übergab sich fast  zwischen Tür und Angel auf dem sicher ziemlich wertvollen Perserteppich.  – Yngwie sprang auf, die Gitarre landete unsanft, aber wenigstens weich auf einem Kissen und rannte zur Tür, stieß Claudia zurück und warf ihr vor der Nase die Türe zu. – Das Ganze war eine nahezu kroteske Situation. Claudia schrie und tobte wie eine Wahnsinnige und drosch mit all ihren noch vorhandenen Kräften gegen die Tür. Eines stand fest, Beethovens Neunte hatte sich ausgespielt. – Ich trank noch einen Schluck aus einem halbvollen Glas, um die Flüssigkeit im nächsten Augenblick wieder auszuspucken. Nein, es war Zeit die Segel zu streichen. Ich wollte nur noch nach Hause in mein Bett – allein!  Himmel-Herrgott verflucht noch mal, das durfte doch alles nicht wahr sein. Der gute Mann hatte doch gerade erst vor zwei Stunden seine männlichen Bedürfnisse gestillt bekommen. „Komm her“, meinte er, griff nach mir und versuchte mich zu küssen. Ich war so perplex in dieser Sekunde, dass ich stillhielt, um einerseits feststellen zu müssen, dass der Mann wirklich küssen konnte, und dass er, nebenbei bemerkt, alles falsche Haare am Kopf hatte (angeschweißt). Andererseits  brachte das auch gleichzeitig meinen Widerstandsgeist auf Trab . Nein, das wollte ich nun wirklich nicht mehr. Ehrlich gestanden, wahrscheinlich hätte ich auch gar nichts davon gehabt nach all dem Drogen- und Alkoholkonsum dem ich mich  in der Nacht gegeben hatte. Ich fing allmählich an, die Auswirkungen zu spüren. – Gleichzeitig musste ich jetzt versuchen, einen Mann zur Vernunft oder was auch immer zu bringen, der sich da fest in den Schädel gesetzt hatte, mich noch als Schlusslicht zu konsumieren. – Nein, verdammt und noch mal nein, - ich, - ach scheiß drauf – ich drehte mich aus der Hüfte, setzte zu einem sogenannten Tai Seonage an, das heißt auf deutsch – Schulterwurf – mit dem Resultat, dass der, damals schon etwas übergewichtige Body von Meister Malmsteen in hohen Bogen über das Bett flog und auf der anderen Seite am Boden landete. Mitten im Flug riss er auch noch die schweren Brokatvorhänge mit sich, die wie eine Decke über ihn fielen. Ich nutzte jedenfalls die Gunst der Minute, drehte mich um und verließ fluchtartig die Suite nicht ohne vorher noch meine Tasche samt den Billy Boy Kondomen auf dem Weg nach draußen aufzugreifen. – Es war übrigens das erste- und einzige Mal, dass ich einen Mann vermöbelt habe in  meinem Leben. Aber so wahr mir Gott helfe und ich nicht katholisch bin, so wenig leid  hat es mir in dem Fall getan.
Ich habe Yngwie Malmsteen  in diesen drei Wochen, in denen er in London weilte,  noch zwei Mal wieder getroffen, - an öffentlichen  Orten – wohlgemerkt. Aber es wurde kein Wort mehr über diese eine  Nacht verloren. So als ob es sie nie gegeben hätte. Leider habe ich nach meiner Rückkehr aus England auch den Kontakt zu Dany und Jeff verloren. Und meine damalige Freundin Claudia habe ich irgendwann Mitte der Neunziger Jahre endgültig  in die Wüste geschickt, da ich ihre Eskapaden nicht mehr ertrug.
                                                                                   
Im Grunde genommen war Yngwie jedenfalls ein armer Kerl, der sich nach außen hin äußerst arrogant gab. Allerdings um mit dieser Arroganz wiederum seine sehr wohl vorhandenen Minderwertigkeitskomplexe zu überspielen und sein abnormes Geltungsbedürfnis zu decken, inklusive der golden Rolexuhr, - die er übrigens heute noch trägt. Sein Talent allein hatte ihm zur Stärkung seiner Persönlichkeit und seines Egos nie gereicht. Schade, denn wenn Yngwie Malmsteen eines wirklich perfekt beherrscht, dann ist es, im Gegensatz zum Umgang mit dem weiblichen Geschlecht, - seine Gitarre. Das hatte er mir in jener Nacht mittels Beethovens Neunter in D-Moll, oder war’s C-Dur – eindeutig bewiesen. – Und das ohne  Verstärkern oder sonstige Hilfsmittel. Wahrscheinlich ist das auch seine Art der Selbstbefriedigung. Und dazu braucht man mit Sicherheit keine Kondome mit Erdbeerduft.  


 
Sommer 2003 - Das letzte Mal, dass ich Yngwie Malmsteen live gesehen habe - in Augsburg Inzwischen soll er angeblich wieder etwas besser in Form sein, habe ich mir sagen lassen !!!

In den folgenden Jahren  habe ich ihn nur noch einige Male – live in Concert – wieder  gesehen, es aber wohlweislich  vermieden ihm als Journalistin gegenüber zu treten. Ob er sich heute noch an diese Nacht, an mich oder an Jeff und Dany erinnern würde,  entzieht sich meiner Kenntnis. Aber ich bezweifle es  zu immerhin 99%.

Story & all pics. by ebl/musicmirror
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