EINE HOMMAGE AN MANOWAR
oder hoch lebe das Heavy Metal Klichee'

Wenn in Deutschlands Sommer ein Open Air Festivals angesetzt wird, ist das immer ein “Risky Business”, keine Frage. In acht von zehn Fällen macht der Wettergott einfach das, was viele Deutsche im Juli/August auch regelmäßig tun: er macht Urlaub; und zwar ganz weit weg, irgendwo im tiefsten Süden. Bei uns kommt dann all der Regen runter, den er im Gepäck nicht mit dabei haben wollte. Dabei hatte das Earthshaker eigentlich noch Glück in dieser Hinsicht. Zwar kam  am Donnerstag und Freitag streckenweise mächtig viel Nass runter von oben, und der Zeltplatz drohte im Schlamm zu versinken. Trotzdem hielt sich das Ganze soweit in Grenzen, dass die Veranstalter mit rechtzeitigem Einsatz von Heu und Stroh, den Saustall in  noch erträglichen Rahmen halten konnten. 

Pech hatte man dafür im Hinblick aufs angekündigte Line-up: Zuerst tauchte die, zuvor auf einer Pressekonferenz vollmundig angekündigte Leinwandlegende, Dracula,Darsteller Christopher  Lee,  am Freitag nicht auf, um die Band RHAPSODY bei ihrem Auftritt promomässig zu unterstützen.
                           
                                                   Rhapsody



Dracula hat es wohl vorgezogen in Transsylvanien zu bleiben
bzw. C.Lee in good old England, um seinen guten Ruf zu wahren....

Dann fielen am wichtigsten Festivaltag, dem Samstag, gleich zwei Magnete aus: Weder TESTAMENT noch OVERKILL liessen sich blicken.  Aber zum Trost blieb ja dem Grossteil des Publikums noch der Reißer der Veranstaltung: MANOWAR, die schon Monate im Vorfeld mit der Ankündigung, dass es beim Earthshaker als einzigem Konzert in Europa in diesem Jahr bleiben würde, ihre ansehnliche Fangemeinde mobilisieren konnten. Wie viele Fans  allein wegen dieser Band  gekommen waren, konnte man am Vortag erleben, als sich Tausende für ein Autogramm in einer nicht enden wollenden Schlange auf dem Festivalgelände anstellten. Und die nicht mal zum Pinkeln ausscherten, bis die ersehnte Unterschrift auf irgendeiner beschreibbaren Unterlage verewigt war.
Auch die begleitende „Fanconvention“ war gut besucht. Und das, obwohl diese nur unter Vorlage des Festivaltickets und bei Ablöhnung von zusätzlichen satten 45 € Teilnahmegebühr besucht werden konnte. Dafür liessen sich dort Fotos bestaunen und erwachsene Männer sich auf ein Podium zerren, wo sie von der Band mit so weltbewegenden Fragen wie: „Wie viel MANOWAR hörst du denn so am Tag?“, konfrontiert wurden. Und all diese Jungs standen nun, ein paar Stunden bei Regenschauer,  im Autogrammstau, und das eine oder andere Bier weiter, am Samstagabend in der Kälte und warteten auf das Highlight ihres Wochenendes. Oder ihres Jahres.


Yes Brothers, we are the kings of Heavy Metal


oh shit, - I forgot my chocolate bar today

Nach gebührend langer Umbaupause gings auch gleich in die Vollen, und die ersten Songs ließen hoffen, dass sich das hier, – auch ganz ohne Christopher Lee, – zu einem prächtigen Metalbrett auswachsen würde. Vor allem, weil die Band zum Ausgleich für die Ausfälle am Nachmittag gleich eine Drei-Stunden-Show angekündigt hatte. Und der Spirit auf der Bühne liess auch keinen Zweifel daran, dass sie alle richtig Bock drauf hatten. Auch wenn sich der eine oder andere Satz - 40-plus-Ohren nach ein paar Minuten gefragt hat, ob das mit der „lautesten Band der Welt“ immer noch unbedingt als Qualitätsmwerkmal herhalten muss, und was genau eigentlich damit bewiesen ist. Die ersten Songs kamen supergeil rüber, und selbst der jüngste Fan auf dem Platz konnte sehen, dass er es hier mit einer Metal-Legende zu tun hat. Was dann aber erst mal kam war nicht nur unerwartet und merkwürdig sondern auch, ja, unprofessionell. Plötzlich, - vermutlich als Folge eines Kurzschlusses, war der Ton weg. Und anstelle sich mit seinem Publikum zu spielen, setzte Joey deMajo einen Soundcheck für das Schlagzeugkit an, den er auch fortsetzte, als ganz offensichtlich schon wieder Saft auf allen Instrumenten war.                                                                      


The Chippendales of Heavy Metal

Das Publikum konnte nicht ganz nachvollziehen, warum da mitten im Set viermal hintereinander ein Song angespielt wurde, und das Ganze dem Meister immer noch nicht passen wollte. Auf die ersten Pfiffe hin reagierte De Maio  dann mit Platzverweis: „Wem das hier nicht passt, der kann sich verpissen, der ist dann eben kein richtiger MANOWAR-Fan. Und MANOWAR kann nur die Besten der Besten gebrauchen!“ Der Applaus auf den Anschiss fiel eher mässig aus.Da versuchte er die Kurve noch zu kriegen, in den er jetzt meinte, die Leute hätten schliesslich Geld bezahlt, um die Show zu sehen. 
Dann ging's endlich weiter. Eine zweite Länge ergab sich dann, als De Maio mit Veranstalterlegende Rainer Hänsel einen alten Freund auf die Bühne holte, der aber nichts zu seiner Ehrung sagen wolltel und nach kurzer Vorstellung wortlos die Bühne wieder verließ.Abgesehen davon, wussten die meisten Heavy Metal Jünger sowieso nicht, um welche Persönlichkeit es sich bei Meister Hänsel handelte. Nett gemeint, sicher, aber irgendwie kam die persönliche Geste beim Publikum nicht so recht an. Anschließend werden der Reihe nach alle „Ehemaligen“ aus dem Ärmel gezaubert, und bis zum Finale geben noch mal sämtliche Musiker, die jemals in der Band gespielt hatten, alles. Einschließlich  Axeman „Ross The Boss“, der aber sichtlich nicht so viel Zeit im Fitnessstudio zu verbringen scheint, wie seine ehemaligen Bandkollegen. Auch das angekündigte „100-köpfige Orchester“ kam nur bei Vollrausch und entsprechender Doppelsichtigkeit tatsächlich auf die angekündigte Musikerstückzahl.


Manowars Life Philosophy

Fazit: Wieder mal viel Blut, ehrlicher Männerschweiss, Schwert und Fusspilz. Trotzdemblieb das Gefühl, dass der angekündigte Bombast weit hinter den Ankündigungen zurückblieb inklusive einiger enttäuschten Fans, die den Ort des Geschehens mit „MANOWAR sucks“ verliessen. Waren das dann einfach nur nicht „die Besten“? Oder einfach nur Fans, die gern auch 45 € weniger hingelegt und dafür gut auch „nur“ mit einer soliden Show hätten leben können?

Text & Live-Pics: Sandy Caspers