|
|
| Auweia, jetzt sind wir bei einem
heiklen Thema angelangt. Bluesrock’n’Boogie Style – und das in der
derzeitigen Musiklandschaft. Na, prost Mahlzeit! Stell’ einen Eisbär
in den Kongo und lass’ ihn Schlittschuh laufen. Dieser Kraftakt wäre
in etwa der selbe, als
diese Musik in der deutschen Szenelandschaft zu etablieren. Aber nach
dem Motto, sag nie nie und probieren geht über studieren, sollte man
allerdings nichts unversucht lassen, qualitativ wirklich hochwertige
Acts dieser Gangart auch der breiten Masse etwas näher zu bringen. –
Denn eines steht nach wie vor felsenfest. Es liegt nicht an den Up to
date-Trends oder Fashion Hypes des Flavour of the Month, wie man so schön
sagt. Es liegt viel mehr an
dem simplen Umstand - was der Bauer nicht kennt, das frisst er nun mal
nicht. Boogie Stuff gehören zu eben jener Kategorie von Bands, die sich nicht dem Mainstream der hiesigen Poplandschaft angeschlossen -, sondern sich einer Linie verschrieben haben, die zwar zu den ältesten Stilen, aber eben nicht unbedingt zu den angesagtesten hierzulande gehören. Wenn dann so ein außergewöhnliches Talent wie eben Boogie Stuff auf der Bühne steht, sich buchstäblich mit jeder Faser des Herzens den Arsch aufspielt und mit all seinem möglichen Enthusiasmus die anwesenden Besucher zu überzeugen versucht, dann kann einem schon ab und an die Galle hoch kommen, dass sie nicht die Lorbeeren erhalten, die sie eigentlich verdienen.
Existieren tut die Freilassinger Formation bereits seit 1989. Gegründet
von Horst Tolks startete man als Fünf-Mann-Betrieb durch, um allerdings
kurz darauf als Trio weiter zu machen. 1992 erschien das erste Album „Rockin’
The Blues“. Horst pendelte daraufhin jahrelang zwischen Freilassing
und Texas, sammelte Erfahrungen als Sessionmusiker und heimste so
manchen positiven Nachruf ein. Diverse Tourneen umfassten u.a. auch
Supportslots für Lynyrd Skynyrd und 1999 folgt dann endlich die nächste
CD, die deutlich die Erfahrungen jahrelanger Arbeit widerspiegelte. Und
vor fast genau einem Jahr kam das bis dato aktuelle Teil „Have Mercy“
europaweit auf den Markt. – Soviel zur History der bayrischen Band,
der auch der Österreicher Andy Brötzner angehört, sowie der Bad
Reichenhaller Fred ‚Mampfy’ Forrester
am Schlagzeug.
“Have Mercy“ ist eine gekonnte Mischung aus
Eigenkompositionen und eigenwillig interpretierten Coverversions
diverser Klassiker. Darunter befindet sich zum Beispiel das
unvergessliche „Homesick“ mit dem anno dazumal die Atlanta Rhythm
Section für Furore sorgte. Thin Lizzy wird Tribut gezollt anhand einer
exzentrischen Darbietung von „Don’t Believe A Word“ und sogar der
Disco-Hit Nr. 1 aus dem Jahr 1978 „Funky Town“, im Original von Lips
Inc. wird in ein bluesiges Make up katapultiert. Auf die Idee muss einer
erst mal kommen. Bei der Interpretierung all dieser Juwelen bekamen die
drei Pseudo-Texaner mächtig Unterstützung. Zum einen steuerte kein
Geringerer als Jimmy Carl Black, Ex-Zappa-Drummer (Anm. wo haben’s denn den Urgesteins Häuptling
noch ausgegraben?) - seine Vocals
bei den Live-Tracks „Black Limousine“, Who Did You Love“
und „Indian Of The Group“dazu
, ja ja, kennen wir doch von irgendwoher, gelle ? Genauer gesagt vom
Farrell & Black Album "Black Limousine"....Und da wäre
noch der Studio
Song „Muddy Water“, geschrieben von Jimmys jüngstem Sprössling Geronimo .
Solide
arrangiert und produziert erweist sich „Have Mercy“ als ein
beachtliches Album, das mit Sicherheit den nötigen Drive beinhaltet und
durch die rauchigen Leadvocals und der gekonnten Gitarrenarbeit
brilliert, inklusive willkommener
Abwechslung und dem deutlich spürbaren Vibe des Texas-Blues-Rock. |
|
|